Die Kriegstrommel

Das sonst eher unscheinbare Referat für Politische Bildung der Kieler Uni lud am 27.6.2012 zum „ Filmabend zu den Krisenherden unserer Zeit „ das Thema war gleich so wichtig das hierfür die Uni Mailingliste, auf der sich alle Studierende befinden, verwendet wurde. Eigentlich ist diese der Leitung der Universität vorbehalten – abgesehen von der Bewerbung von Vollversammlungen und Gremienwahlen. Letztendlich sollte es in den 55 Minuten dann doch nicht um die Krisenherde unserer Zeit gehen sondern nur um eine Auswahl: „ Von Eurokrise über „Arabellion“ bis zum Iran-Israel-Konflikt. „ – die Veranstaltung folgte also der gängigen überrepräsenstaion des Nahost-Konfliktes. Zumindest was die Besucherzahlen anging sollten sich Werbung und Themenauswahl als effektiv erweisen mit etwa 150 Besucher_innen wohl eine der am besten besuchten Veranstaltungen des Referates seit Jahren.

Der Film selbst war nicht von AstA sondern von Tariq Chaudhry, Tahir Chaudhry und Goran Vidovic. Sowohl die allgemeine Konzeption des Filmes, als auch einige der in Teasern präsentierten „ Experten “, wie etwa Udo Steinbach und insbesondere Michael Mross deuteten auf ein einseitige – Israel die Rolle des Aggressors zuschreibende Sichtweise des Filmes hin. Mross, vertritt Verschwörungstheorien und bewirbt auf seinen Blog rechte Zeitungen wie etwa Compact von Jürgen Elsässer – der die Iranische Opposition auch schon mal als Partymiezen den es nur um ein neuen Ipod geht darstellt, die Preußische Allgemeine, oder Infokrieg.tv. Mross wird in einen knappen Interview-Schnipsel über die wirtschaftlichen Folgen eines Militärschlages gegen den Iran gefragt – die er mit einen totalen Zusammenbruch der Weltwirtschaft angibt. Eine weiter Erläuterung wie er zu dieser Erkenntnis gekommen ist wird weder im Teaser noch im Film geliefert. Israel – von den am ehesten ein Militärschlag gegen den Iran zu erwarten ist wird hier als Gefahr für die gesamte Welt hoch stilisiert, wobei es Absicht der Iranischen Regierung ist in Falle eines Angriffes die Straße von Horms zu blockieren und damit den Seehandel zu schädigen.

Der Film beginnt mit einer knappen Darstellung der momentanen Wirtschaftskrise – die letztendlich wenig mit den „Arabellionen“ und Iran-Israel-Konflikt zu tun hat, vielmehr dient sie wohl zur Illustration von Krisen innerhalb der globalisierten Welt, und damit als ausblick auf die folgen eines Israelischen Angriffes auf den Iran. Es folgen Interviews mit verschiedenen „ Expert_innen “ zur Lage in Syrien, zu den Möglichkeiten von Regieme-Change durch militärische Interventionen und zuletzt auch zum Konflikt zwischen Israel und Iran. Dabei ist der Film durchaus bemüht verschiedene Sichtweisen auf die Thematik darzustellen.

Doch dabei bleibt der Film stehen, es werden verschiedene Meinungen gegenübergestellt – eine Einordnung in welcher Position sich die befragten befinden, findet jenseits einer kurzen Einblendung mit Namen und Bekundung eines Expertentums für irgendwas, nicht statt. Keine Auseinandersetzung mit anderswo getätigten Aussagen – so kann Mross Aussage das die Finanzkrise von einer kleinen Clique fabriziert worden ist um sich zu bereichern, durchaus als antisemitisch gewertet werden – um so verwunderlicher diesen unkommentiert und unfundiert den Nahost Konflikt kommentieren zu lassen. Ebenso wenig wie der Film sich mit seinen „ Expert_Innen “ auseinandersetzt, setzt er sich mit der Geschichte des Konfliktes auseinander. Umso kurioser das der Beauftragte in seiner Vorrede damit warb das der Film auch aus einen Gefühl über die „Undurchsichtigkeit der Nahost Berichterstattung“ entstanden ist.

Keine Meinung zu haben scheint den Filmmachenden eh wichtig zu sein – auf die den Film sich anschließende Kritik, geben diese zwar zu nicht die Meinung aller befragter zu teilen, welche Aussagen sie nicht teilen können lassen sie aber offen – wichtig sei das die „Message“ des Filmes herüberkomme – die wohl irgendwo bei Krieg ist schlecht und alle beteiligten sollten unvoreingenommen miteinander reden liegt. Die Wortmeldungen im Anschluss sind dann letztendlich das, was der Film glücklicherweise nicht war: Von Verschwörungstheorien über „Systemhuren“ die der Film zu Worte kommen lassen hat, bis hin zum eigentlichen Grund für die Außenpolitik des Irans – die Situation der Palästinenser – die dann die nicht Anerkennung Israels, Irans Atomareaufrüstung und vermutlich auch Auslöschung Israels rechtfertigt, kommt nun allerlei Gruseliges, den auch ganz im Sinne der Pluralität weder von sichtlich überforderten Beauftragten noch von den Filmemachenden etwas entgegengesetzt wird.