Archiv für Februar 2011

Buffy zum selber basteln

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Gaarden, mehr als ein Stadtteil Part II

Und passend zum Artikel noch folgendes Video:

Gaarden, mehr als ein Stadtteil

aber hier ist es anders, hier ist gar nichts egal, hier ist es ganz besonders gleich wie überall…

Anlässlich eines Mordes am 7. Januar 2011 und des daraufhin veröffentlichten Demonstrationsaufrufes durch den Asta der Kieler Uni, den Kreisverband Kiel der Linken und der Heinrich Böll Stiftung Schleswig-Holstein, veröffentlichten einige Anwohner_innen Gaardens ihrerseits ein Flugblatt1 unter der Überschrift: „Die Kieler Nachrichten, der AStA, ‚Die Linke’ und der ‚Kieler Bandenterror’“

In diesen Flugblatt werden einige richtige Beobachtungen gemacht: Erst einmal ist es verwunderlich, das zu sonst auch stattfindenden Morden zwar das lokale Klatschblatt KN berichtet, es aber sonst keine öffentlich artikulierte Entrüstung, schon gar nicht in Form einer Demonstration, über das Vorgefallene gibt. Auch spricht der Demonstrationsaufruf mit seiner Wortwahl wie: „Bandenterror“, „Ehrenmord“ und „blutigen Racheakten“ vorhandene rassistische Vorurteile an. Soweit ist der Analyse und des Demoaufrufes, durch die Anwohner_innen Gaardens zuzustimmen, die die folgende Position des Demoaufrufes kritisiert:

Das Gewalt nicht in oder gar durch „unsere“ deutsche Gesellschaft entstehe, sondern von außen komme. Genauso formulieren es denn auch die VeranstalterInnen der Demo mit den Worten, solch eine Tat sei „in keiner Form zu rechtfertigen“ (welch Feststellung!) und habe „überhaupt keinen Platz in unserer Gesellschaft“. 2

Gaarden, mehr als ein Stadtteil?

Die Studierenden stehen exemplarisch für eine vor allem auf dem Westufer anzutreffende Szene, die kein Problem mit Ein-Euro-ZwangsarbeiterInnen hat, die z.B. den Campus reinigen müssen, oder den vielen Geringverdienenden, die in der Gastronomie ausgebeutet werden, so lange sie die damit einhergehenden sozialen Probleme nicht sehen müssen – der Kieler Förde sei dank.2

Das es Menschen, und darunter auch solche die studieren, gibt, die mit Hartz4 und den damit verbundenen Zwängen sowie mit dem Auskommen von Geringverdienenden kein Problem haben, stimmt. Menschen mit solchen Positionen wird es aber auch zu genüge in Gaarden geben – die überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und die Beliebtheit des Stadtteils bei sich als links identifizierenden Menschen mag dazu führen, dass es hier weniger sind als in anderen Stadtteilen, die angedeutete Dichotomie: gutes Gaarden – böses Westufer wird damit aber nicht richtiger. Nicht wenige Studierende dürften ziemlich genau wissen, was es bedeutet, geringverdienend zu sein – nicht jede_r bekommt Bafög, oder hat reiche (und zahlungswillige) Eltern und auch in Nicht-Gaarden gibt es wahrnehmbare Armut. Dadurch, dass Studierende exemplarisch für etwas gesehen werden, bleibt eine weitere und in meinen Augen nötige Differenzierung und Analyse aus.

In der radikalen Linken, und dort ist das Flugblatt wohl zu verordnen, sollten Kollektividentitäten kritisiert werden – und anhand des Beispieles des Demonstrationsaufrufes, in den die gute deutsche Gesellschaft sich gegen von außen kommende Gefahren verteidigt – gelingt dies auch. Dann wird jedoch eine eigene Identität aufgemacht, die zwar noch nicht von außen bedroht wird, wobei es an anderer Stelle schon erste Aufregung über Gentrification gibt (was in einem „linken“ Stadtteil ja auch nicht fehlen darf). Das „Wir“ der Gaardener_Innen aber ist schon konstruiert und scheint auch besser als der Rest zu sein.

Der Hang sich in und über Kollektividentitäten zu verordnen, ist auch innerhalb der radikalen Linken vorhanden, was im Grunde auch nicht weiter verwunderlich ist – da diese eben nicht frei von Einflüssen der Gesellschaft ist. Diese Identitäten können räumlich verordnet sein, im vorliegenden Fall etwa Gaarden, müssen dies aber nicht. Die Selbstverortung in einer ideologischen Strömung, etwa als Antideutsche_r, Antiimperialist_in, Undogmatische_r Linke_r usw. beinhaltet auch die Konstruktion eines Wir. Diese Wir-Konstruktionen gelingen durch das Herausstellen von Differenzen zu anderen, tatsächlich vorhandenen oder vermeidlichen, Gruppen, einhergehend mit ihrer Ablehnung. Im Beispiel des Demonstrationsaufrufes ist es die Konstruktion der deutschen Gesellschaft, in der es im Gegensatz zur migrantischen keinen Bandenterror, Ehrenmorde, blutige Racheakte gebe. Im Falle des Flugblattes einiger Anwohner_innen konstituiert sich das Wir dann wohl erst einmal aus dem Wohnen in Gaarden, welches dann anscheinend Einstellungen mit sich bringe, etwa die Ablehnung von Hartz4, die Gaardener_innen dann vor allem von Studierenden unterscheiden sollen.
Wir-Konstruktionen sind zu kritisieren, weil sie über die Pauschalisierung von Menschen funktionieren – Menschen werden hier leichtfertig Merkmale aufgrund einer angenommenen oder vorhandenen Gruppenzugehörigkeit zugeteilt und auf diese Gruppenzugehörigkeit reduziert, oft einhergehend mit einer Abwertung. Es wäre schön, wenn Linksradikale zumindest über ihre Verhaftung in solchen Kollektividentitäten nachdenken, anstelle sie zu reproduzieren.

Nachtrag: weitere Kritik an den Flugblatt und antworten darauf sind hier zu finden.

  1. Auf den Blog: Gaarden Notizen Passenderweise unter den Dateinamen „fuck the west“ zu finden: .pdf[zurück]
  2. Zitat aus den Flugblatt „fuck the west“ [zurück]

Die Banalität des Bösen

Die Banalität des Bösen Bahamas Artikel zu Horror als Alltag.