Archiv für Januar 2011

Horror als Alltag

Horror als Alltag - so heißt eine Sammelband zur TV-Serie „Buffy – the Vampire Slayer“, der 2010 im Verbrecher Verlag erschienen ist. Das Buch beschäftigt sich in zehn Artikeln und einer Abbildung mit der Serie. Das ganze geschieht unter folgender Prämisse: Herrschaftliche Strukturen erhalten in der Serie ein Gesicht, das von Vampiren und Dämonen, in das geschlagen werden kann und auch wird. Die Texte basieren teilweise auf einer Veranstaltung, die die Gruppe [pærɪs], zum selben Thema veranstaltet hat, wobei sich im Vorwort hierzu nichts findet.

Erwähnt sei an dieser Stelle vielleicht noch, das die tiefergehende Beschäftigung mit Buffy gar nicht so selten ist. Unter den Namen Buffy Studies wird sich, vor allem in den USA, mit der Serie beschäftigt. Es gibt sogar eine regelmässig erscheinendes Online Journal zu dem Thema.

Der erste Text, auf den ich noch detaillierter eingehen werde, ist: Wozu Vampire? von Annika Beckmann und Heide Lutosch. In ihm beschäftigen die beiden Autorinnen sich mit der Funktion, die Dämonen und Vampire in Buffy haben und damit auch mit der Frage, um was es in der Serie geht. Denn weder sind Dämonen und Vampire sonderlich gruselig, noch dienen Vampire in Buffy, wie sonst im Vampirgenre üblich, als Metapher für Verdrängtes, Inneres und Subjektives.

Die weiteren Texte setzen sich mit unterschiedlichen Themen auseinander, so beschäftigt sich Lars Quadfasel im zweiten Text Frankfurt School, Sunnydale High mit der Frage, wie das Fernsehen als eines der ideologistischen Medien schlechthin so ein gelungene Serie wie Buffy hervorbringen kann. Ebenso mit Ideologie beschäftigt sich auch der Text Ideologie, Magie und Praxis in Buffy the Vampire Slayer von Birgit Ziener.

Dietmar Dath beschäftigt sich in seinem Text Versuch, Restless zu verstehen mit der Episode Restless, auf die sich auch in einigen Texten des Bandes bezogen wird. Der Text fällt etwas aus der Rolle, nicht nur weil er sich nur mit einer Episode beschäftigt, auch ist der Stil weitaus weniger akademisch (was keinesfalls schlecht sein muss). Dath nähert sich der Episode damit an, festzustellen, wie er es nicht machen will, um es dann aber bis zu einen gewissen Grad doch zu tun – was zumindest mir nach den ersten Lesen weniger gefällt. Etwas komisch wirkt auch die Erwähnung seiner Audienz bei Josh Weadon.

Carmen Dehnert setzt sich in I’m Under Your Spell mit der Beziehung von Tara und Willow auseinander – immerhin das erste lesbische Paar im amerikanischen Prime-Time-TV. Schließlich zeigen Lars Quadfasel und Carmen Dehnertnoch in Der Chip, die Seele und das Surplus des Begehrens, wie die Serie an Spike und Angel die Widersprüchlichkeit bürgerlicher Subjektivität und Sexualität entwickelt, wobei sie sich hierzu insbesondere auf Jacques Lacan beziehen.

Die drei drauf folgenden Texte haben direkt erst einmal weniger mit der TV-Serie zu tun, sie beschäftigten sich mit den unterschiedlichen Folgeprodukten auseinander. Im Fall von Oliver Jelinski’s The End of Magicks mit der 8. Staffel, die in Form von Comics verlegt wird. Mit der Spin-Off Serie Angel setzen sich einmal Jasper Nicolaisen und Jakob Schmidt in Arbeit, Freiheit, Elend auseinander – sie meinen, die Serie zeigt das wirkliche Elend von Menschen, die im Gegensatz zu Buffy Emanzipation und Handlungsfähigkeit nicht auf die Reihe bekommen. Den gegenüber steht der Text Jeden Tag eine gute Tat von Ruth Hatlapa, die in Angel die schlichte Zerstörung des Ideals der Emanzipation sieht.

Horror als Alltag Inhaltsverzeichniss

Wozu Vampire?

Wie schon erwähnt, lassen sich die Monster in Buffy als Ausdruck von Herrschaftsstrukturen verstehen. Ein Umstand, der zumindest teilweise erklärt warum sich – im weiteren Sinne – „Linke“ Autor_innen so ausgiebig damit beschäftigen.

„Sind Buffy, Xander und Willow also linke Gesellschaftskritiker, die wie ein Teil ihrer deutschen Fans in einer der vielen sich ständig wandelnden, ständig kurz vor der Auflösung stehenden Kleingruppen organisiert sind? Allein die Aussichtslosigkeit ihres Kampfes könnte zu solcher Interpretation verleiten, auch ähnelt Buffys Umgebung der Gesellschaft, in der die linksradikalen Zuschauer leben, nicht wenig. Es gibt in ihr Geld, Arbeit, Regierungen, Männer, die Kellnerinnen auf den Hinter schlagen, Schule, Militär und angsteinflößende Angeberzicken, die ihre Mitschülerinnen und Mitschüler nach selbst gebastelten Coolnesskriterien in »geht« und »geht nicht« unterteilen“

Wobei sie die Umgebung nur ähnelt, wie wenig später auch die Autor_innen feststellen, wird die Gesellschaft in der Serie ist keineswegs realistisch dargestellt. In der Serie spielen Arbeit, Geld, Rassismus, Sexismus und einige weitere Übel anscheinend erst einmal keine tiefergehende Rolle.

Und auch der Frage nach der Funktion der Monster wird beantwortet:

„ Im ‚zum Empire fortschreitenden(n) Kapitalismus(…) sind alle Menschen Fremde, und jeder in der Lage, dem anderen zum Monster zu werden. Das Normale verliert seine Verlässlichkeit, und das Unheimliche kann nicht mehr, wie an den Kaminfeuern des achtzehnten Jahrhunderts, panisch-genüsslich beschworen werden. Es überall‘ “ und weiter „ Ist es also das? Die Monster stehen für die Übel des Kapitalismus? Die Antwort muss lauten: »Ja Klar!«“ Wobei diese Interpretation aber noch spezifiziert wird „»Die Vampire in Buffy stehen für die Zumutungen der bürgerlichen Gesellschaft« (…) Für all den Kram eben, der hier und heute Autonomie unterminiert, für das, was permanenten Stress verursacht, für das, was einen zunehmend von sich selbst und von den Freunden entfremdet, für das, was einen trennt von der zuversichtlichen Anspruchshaltung, mit der man einmal auf sein eigenes Leben losgegangen ist, von der Ehrlichkeit, die man gesucht hat, für das, was einen so schrecklich ruiniert: Konkurrenz und Kleinfamilie, Patriarchat und Militär, Arbeit und Anpassungsdruck“.

Hierzu passt dann es auch, dass die meisten Charaktere in der Serie die Monster verdrängen und gleichzeitig als etwas normales, unabänderliches hinnehmen. Ähnlich also wie mit Auswirkungen des Kapitalismus verfahren wird: Etwa die Konkurrenzsituation, in der sich Menschen untereinander befinden, die als den Menschen innewohnend gesetzt wird.

Wobei es aber auch frühe Episoden gibt, wo es nicht Dämonen oder Vampire sind, die den Alltag der Scoobys zerstören. Etwa die Episode Out of Mind, Out of Sight (S1E11), wo eine Mitschülerin durch das nicht beachtet Werden unsichtbar wird und sich an populäreren Schüler_innen rächt. Oder die Fischmonster in der Episode Go Fish (S2E20), die die Folge eines Dopingmittels sind, das Fisch-DNA enthält, welches aufgrund des Erfolgsdrucks, der auf den Schwimmteam der Schule bzw. seines Coaches lastet, verwendet wird. In diesen beiden Episoden ist es der sonst gegen die Bedrohung durch Monster verteidigte Alltag, der die Monster hervorbringt.

Das sich eine Trennung zwischen den Übeln der bürgerlichen Gesellschaft und den Alltagsleben der Protagonisten nicht durchhalten lässt, gilt noch vielmehr für die 6. Staffel „ Der Schrecken der Wirklichkeit, das, was den Protagonisten ans Leben und an die ersehnte Normalität will, steht ihnen nun nicht mehr als äußere und objektive Gefahr gegenüber, der sie sich mit voller Kraft entgegenstellen können. Erwachsenwerden heißt hier: diese Kraft zu verlieren. Dass der Schrecken in Staffel 6 vor allem als subjektiv erscheint, ist das Resultat dieser Niederlage“

Chaos Congress C-Side: The Geek Insurrection – Audiomitschnitte

Hier sind die Mitschnitte der Vorträge der Geek Insurrection :

Mspro: Queryology

Classless : It’s leaking everywhere! Buckets and diapers for the incontinent system? Why Transparency and The Truth™ won’t make you free

Dimitri Kleiner: P2P Communism Vs The Client Server State – the political economy of network topologies
Zugehörige Präsentation

Ellen Dudley: Designing electronics as social objects

Alle Mitschnitte gibt es auch noch als Archive .Rar bzw. .Zip

Der Volksmops

Beim Aufräumen der Festplatte gefunden:

Der Volksmops